Stuttgart, Mercedes-Benz-Museum, eine außergewöhnliche Location und die Branche, welche sich selbst feiert. Mehr als 275 Sterneköchinnen und Sterneköche kamen zur „Nacht der Sterne“, insgesamt waren über 1.000 Gäste vor Ort. Doch hinter dem Glanz lag mehr als nur Gala-Atmosphäre. Es war ein Abend mit Signalwirkung und das habe ich persönlich Vorort gespürt.

Die ahgz Sterne Awards 2026 kürten in diesem Jahr gleich zwei Spitzenreiter:
Das „Jan“ in München unter Jan Hartwig und die Schwarzwaldstube in Baiersbronn mit Torsten Michel teilen sich den Platz eins.
Und diese Doppelspitze ist alles andere als zufällig.
Zwei Häuser, zwei Philosophien – ein Qualitätsversprechen
Das „Jan“ steht für kompromisslose Präzision, für eine sehr persönliche, hochkonzentrierte Küche. Jeder Teller ist eine klare Handschrift. Hier wird nichts dem Zufall überlassen.
Die Schwarzwaldstube hingegen verkörpert große gastronomische Tradition, eingebettet in das renommierte Hotel Traube Tonbach. Nach bewegten Jahren hat sich das Haus eindrucksvoll zurück an die Spitze gearbeitet. Kontinuität, Disziplin und ein eingespieltes Team sind hier die Basis.
Als jemand, der selbst Gastronom war und als Küchenmeister gearbeitet hat, weiß ich: Auf diesem Niveau entscheidet nicht nur Kreativität. Entscheidend sind Struktur, Führung und wirtschaftliche Stabilität. Drei Sterne sind kein Selbstläufer, sie sind tägliche Hochleistung.
Die beiden Erstplatzierten:


Platz 1
- Jan Hartwig – Küchenchef des Restaurants JAN in München
- Torsten Michel – Küchenchef der Schwarzwaldstube im Hotel Traube Tonbach in Baiersbronn
Das vollständige Ranking 2026
Hinter den beiden Erstplatzierten reihen sich folgende Spitzenbetriebe ein (bei Punktgleichheit teilen sich Restaurants den Platz):
Platz 3
Victor’s Fine Dining by Christian Bau, Perl
Waldhotel Sonnora, Clemens Rambichler, Dreis
Platz 5
Aqua im The Ritz-Carlton Wolfsburg, Sven Elverfeld
Rutz Restaurant, Marco Müller, Berlin
Platz 7
schanz.restaurant., Thomas Schanz, Piesport
Platz 8
The Table – Kevin Fehling, Hamburg
Platz 9
Bareiss – Hotel Bareiss, Claus-Peter Lumpp, Baiersbronn
Platz 10
Haerlin – Fairmont Hotel Vier Jahreszeiten, Christoph Rüffer, Hamburg
Diese Namen stehen seit Jahren für internationale Spitzenklasse. Dass Deutschland mittlerweile eine solche Leistungsdichte aufweist, ist auch aus wirtschaftlicher Perspektive bemerkenswert, Spitzengastronomie ist längst ein Standortfaktor.
Wie wird bewertet?
Das Ranking entstand in Kooperation mit dem ahgz Verlag und basiert auf der Auswertung der wichtigsten Restaurantführer im deutschsprachigen Raum:
- Guide Michelin 2025
- Gault&Millau 2025
- Gusto 2026
- DER FEINSCHMECKER
- Die 500 besten Restaurants in Deutschland 2025
- Falstaff Restaurant & Gasthaus Guide Deutschland 2026
Für Österreich, die Schweiz und Südtirol wurden angepasste nationale Guides berücksichtigt.

Besonders interessant: Rund 200 Spitzenköchinnen und -köche wurden länderspezifisch befragt, wie stark die einzelnen Guides gewichtet werden sollen. Das bedeutet: Die Branche selbst definiert, welche Bewertung welchen Einfluss hat. Dadurch entsteht ein Ranking, das nicht nur auf Punktzahlen basiert, sondern auf einem breiten Konsens der Spitzengastronomie.

Für Gäste bietet dies Orientierung. Für die Betriebe bedeutet es Sichtbarkeit, ein nicht zu unterschätzender Faktor im Wettbewerb um internationale Gäste, qualifiziertes Personal und wirtschaftliche Stabilität.

Eine Nacht mit großer Dichte an Spitzenköchen
Hinzu kamen bekannte TV- und Szenegrößen wie The Duc Ngo, Tristan Brandt, Simon Tress, Thomas Bühner, Stefan Marquard, Ludwig Maurer, Felicitas Then und Ralf Zacherl.
Die Gästeliste las sich wie ein „Who’s Who“ der Branche. Unter den Anwesenden waren zahlreiche Drei-Sterne-Köche wie Sven Elverfeld, Kevin Fehling, Claus-Peter Lumpp, Tohru Nakamura und Clemens Rambichler.

Insgesamt nahmen mehr als 450 Spitzenköchinnen und -köche aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und Südtirol teil. Eine Dichte, die der Veranstaltung in der Vergangenheit sogar einen Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde eingebracht hat.


Kulinarisch begleitet wurde der Abend vom Team der Burg Staufeneck unter der Leitung von Rolf Straubinger, ein routinierter Gastgeber auf diesem Parkett.

Zwischen Gesprächen über neue Produkte, Personalsuche, Lieferketten und die politische Großwetterlage wurde deutlich: Diese Gala ist nicht nur Feier, sondern Netzwerkplattform. Hier entstehen Kooperationen, hier werden Ideen ausgetauscht, hier wird Zukunft diskutiert.
Wer erhielt den Ehrenpreis?
Bei der „Nacht der Sterne 2026“ im Mercedes-Benz Museum wurde neben dem vielbeachteten Ranking der ahgz Sterne Awards auch ein besonderer Ehrenpreis vergeben. Mit dem „Top Gourmet Award 2026“ ehrte die Branche zwei Persönlichkeiten, die das Format über Jahre maßgeblich geprägt haben: Rolf Straubinger und Klaus Schurr.

Beide stehen seit Jahrzehnten für Kontinuität und Spitzenqualität im Burghotel Staufeneck. Ihr Engagement geht jedoch weit über den eigenen Betrieb hinaus. Als Mitinitiatoren und prägende Akteure der „Nacht der Sterne“ haben sie entscheidend dazu beigetragen, dass sich die Veranstaltung zu einem der wichtigsten Branchentreffen der Spitzengastronomie im deutschsprachigen Raum entwickelt hat.
Die Auszeichnung würdigt nicht nur unternehmerischen Erfolg, sondern auch strategisches Denken und nachhaltigen Einsatz für die gesamte Branche. In Zeiten steigender Kosten, wachsender internationaler Konkurrenz und struktureller Herausforderungen sendet dieser Ehrenpreis ein klares Signal: Exzellenz entsteht dort, wo Handwerk, Führung und langfristige Vision zusammenkommen.

Die Laudatio hielt Bernhard Ilg, ehemaliger Oberbürgermeister von Heidenheim. Er betonte in seiner Ansprache die Vorbildfunktion der Geehrten: „Rolf Straubinger und Klaus Schurr haben gezeigt, dass Spitzenküche und unternehmerische Verantwortung untrennbar zusammengehören. Ihr Wirken reicht weit über die Region hinaus und hat die deutsche Spitzengastronomie nachhaltig mitgeprägt.“
Mit stehenden Ovationen reagierte das Fachpublikum auf die Ehrung. Der Moment machte deutlich: Diese Auszeichnung war mehr als eine Würdigung einzelner Karrieren. Sie war ein Bekenntnis zur gemeinsamen Stärke einer Branche, die sich trotz aller Herausforderungen immer wieder neu erfindet – auf beeindruckend hohem Niveau.
Mehr als Glamour: Die Realität hinter den Sternen
Bei aller Festlichkeit darf man eines nicht vergessen: Die Branche steht unter Druck. Steigende Kosten, Fachkräftemangel, verändertes Konsumverhalten, selbst Spitzenbetriebe müssen immer wirtschaftlich präzise kalkulieren.
Gerade deshalb sind solche Auszeichnungen wichtig. Sie stärken die Marke, schaffen Vertrauen beim Gast und helfen im Wettbewerb um Talente. In einer Zeit, in der Fine Dining stärker argumentiert werden muss als noch vor zehn Jahren, ist Sichtbarkeit ein strategischer Faktor.

Mein Fazit
Die Doppelspitze 2026 zeigt: Es gibt nicht den einen Weg zur Perfektion. Individualität und Tradition können gleichermaßen erfolgreich sein, wenn Handwerk, Führung und unternehmerische Klarheit zusammenkommen.
Für Gäste ist das eine Einladung, Deutschlands Spitzengastronomie neu zu entdecken.
Für die Branche ist es ein Zeichen, dass Qualität und Professionalität sich weiterhin durchsetzen.
Und genau deshalb war diese Nacht mehr als eine Preisverleihung.
Sie war ein Spiegelbild einer/meiner Branche im Wandel, aber auf beeindruckend hohem Niveau.

Ann-Kathrin Geyr-Schurr, Direktorin des Burghotel Staufeneck
Thomas Meyer, Gesamtverlagsleiter der Hotel- und Gastromedien der dfv Mediengruppe.
Galerie:


















Speisen und Getränke:










Autos standen im Mercedes Benz Museum auch noch rum:




Text und Bilder: Klaus-Dieter Richter



