Wo Geschichte schmeckt und Gemeinschaft zuhause ist
Mitten im Herzen von Siemensstadt, wo einst das industrielle Berlin zu wachsen begann, steht ein ganz besonderes Wirtshaus, das Stammhaus. Seit über 100 Jahren ist dieses charmante Ecklokal mehr als nur ein Ort für gutes Essen. Es ist ein Ort, an dem Berliner Geschichte lebendig geblieben ist. Ein Ort, an dem Menschen zusammenkommen, um sich zu begegnen, zu feiern, zu genießen, damals wie heute.
Wer hier einkehrt, betritt nicht einfach ein Restaurant. Man betritt ein Stück Berliner Seele.

Vom „Casino Nonnendamm“ zum Kiezanker
1911 erbaut, war das Stammhaus ursprünglich das „Casino Nonnendamm“, das zentrale Gasthaus für die Arbeiter der benachbarten Siemenswerke. Damals wie heute wurde hier gegessen, gelacht, diskutiert, getanzt. In der Mittagspause kamen die Werktätigen auf ein warmes Essen vorbei, zum Feierabend traf man sich auf ein Bier am Tresen. Und an den Wochenenden? Da wurde Hochzeit gefeiert, gekegelt oder einfach nur das Leben genossen.
Das Stammhaus war von Anfang an mehr als nur ein Lokal. Es war Teil des täglichen Lebens in Siemensstadt, ein Ort, an dem Arbeit, Familie, Freizeit und Nachbarschaft ineinanderflossen.
„Lohntütentag“ und Lebensfreude: Nach dem Krieg erwacht das Lokal zu neuem Leben.
Nach den dunklen Jahren des Nationalsozialismus und der Zerstörung des Krieges kehrte mit dem Wiederaufbau auch die Lebensfreude zurück und mit ihr das Stammhaus als Mittelpunkt des Kiezlebens. Besonders berühmt waren die Freitage: „Lohntütentag“ war der inoffizielle Feiertag der Werktätigen. Direkt nach der Schicht kamen die Arbeiter ins Stammhaus, die Lohntüte noch in der Tasche. Es wurde bestellt, was schmeckte: ein deftiges Gulasch, ein frisch gezapftes Bier und dazu Geschichten aus dem Werk, der Nachbarschaft, dem Leben.
Nicht selten kamen die Frauen der Männer später vorbei, holten ihre Männer am Tresen ab oder setzten sich gleich mit dazu. Kinder spielten an den Tischen, Nachbarn winkten sich zu. Es war dieser ganz besondere Berliner Alltag, der das Stammhaus so unverwechselbar machte: offen, ehrlich, herzlich.



Damals wie heute: Eisbein mit Sauerkraut und Erbspüree
Kegelbahn, Vereinsheim, Wohnzimmer
Besonders stolz ist das Stammhaus auf ein echtes Relikt aus dieser Zeit: die Kegelbahn im Keller. Wer hier war, erinnert sich oft ein Leben lang daran – an Geburtstage mit der ganzen Familie, an Vereinsabende mit viel Gelächter, an Kegelturniere mit echtem Ehrgeiz und viel Spaß. Und ja, sie existiert noch: original erhalten, liebevoll gepflegt und bis heute bespielbar. Für viele Gäste ist sie nicht nur eine sportliche Attraktion, sondern ein emotionaler Rückzugsort. Ein Ort, an dem Kindheitserinnerungen wach werden – oder ganz neue entstehen.

Auch die vielen Stammtische und Vereine, die sich über Jahrzehnte hier trafen, vom Chor über die Kartenspielrunde bis zur Tanzgruppe, prägen das Bild des Hauses. Hier wurde Gemeinschaft gelebt, hier wurde Zugehörigkeit spürbar. Und auch heute ist das so.
Berliner Küche wie bei Muttern – ehrlich, herzhaft, handgemacht
Was wäre ein Wirtshaus ohne gutes Essen? Im Stammhaus wird gekocht, wie Berlin es liebt: Hausmannskost, deftig, frisch, bodenständig. Von knusprigem Eisbein mit Sauerkraut über gebratene Heringe mit Bratkartoffeln bis zu Buletten mit hausgemachtem Kartoffelsalat – hier schmeckt’s nach Zuhause.
Dabei wird bewusst auf Trends verzichtet und stattdessen auf Handwerk gesetzt. Die Speisen kommen nicht aus der Tüte, sondern aus der Küche. Mit Liebe gekocht, mit Erfahrung abgeschmeckt, mit Herz serviert. Dazu gibt’s ein frisch gezapftes Bier, ein Glas Wein oder ein Kräuterlikörchen, je nachdem, wie man’s mag.

Berliner Rinderleber
Es ist diese familiäre Atmosphäre, die viele Gäste zu Stammgästen macht. Wer einmal hier war, kommt wieder. Nicht, weil es schick ist. Sondern weil es echt ist.


Heute wie früher – das Stammhaus als Ort der Begegnung
Auch heute ist das Stammhaus mehr als nur ein Restaurant. Es ist ein Ort für Geburtstagsfeiern, Weihnachtsessen, Klassentreffen, Vereinsabende und Nachbarschaftsrunden. Ein Ort, an dem Jung und Alt gemeinsam lachen, essen und feiern, ganz ohne Chichi, dafür mit viel Herz.
Hier treffen sich der Handwerker von nebenan und die Familie auf Sonntagsausflug, hier sitzen der ehemalige Siemensianer und die junge Kegeltruppe am selben Tisch. Hier wird Geschichte nicht ausgestellt, hier wird sie gelebt.


Kieztradition mit Zukunft – warum ein Besuch lohnt
Wer das echte Berlin sucht, der findet es hier, nicht als Kulisse, sondern als gelebte Realität. Im Stammhaus verbinden sich Vergangenheit und Gegenwart auf die schönste Weise. Man spürt die Jahrzehnte in den dunklen Holzbalken, in der Kegelbahn, in den Rezepten der Küche. Aber man spürt auch die Offenheit, die Herzlichkeit, das Heute.

Ob du in Erinnerungen schwelgen willst, mit deiner Familie gemütlich essen gehen möchtest oder einfach einen Ort suchst, an dem Berliner Wirtshauskultur noch lebendig ist: Das Stammhaus ist der richtige Ort.
Stammhaus Siemensstadt
Rohrdamm 24b
13629 Berlin
Deutschland+49 30 38 12 110
Bilder (nicht mit © markiert) und Text: Klaus-Dieter Richter




