Sommerfest der Berliner Stadmission 2025

Am Sonntag, dem 13. Juli 2025, verwandelte sich das weitläufige Gelände der Berliner Stadtmission an der Lehrter Straße in ein lebendiges Meer aus Begegnungen, Musik, Farben und Zuversicht. Menschen aller Generationen und Herkunft kamen zusammen, um das große Sommerfest der Stadtmission zu feiern – ein Fest, das nicht nur den Sommer würdigte, sondern auch die Kraft gelebter Mitmenschlichkeit.

Bereits am Vormittag eröffnete ein bewegender Gottesdienst die Feierlichkeiten. Unter freiem Himmel, begleitet vom sanften Wind und dem Klang der Stadt im Hintergrund, predigte Stadtmissionsdirektor Christian Ceconi von Barmherzigkeit und gegenseitiger Achtung. Es war ein Gottesdienst, der nicht auf Kirchenmauern beschränkt war, sondern offen für alle – für Bedürftige, Engagierte, Neugierige, Alteingesessene und Ankommende. Die Worte klangen lange nach: „Seid barmherzig miteinander – das ist mehr als Hilfe, das ist eine Haltung, eine Einladung zum Miteinander.“

Das Gelände füllte sich rasch mit Stimmen und Lachen. Über 90 Projekte der Berliner Stadtmission präsentierten sich mit Ständen, Mitmachaktionen und Gesprächen. Ehrenamtliche, Sozialarbeiterinnen, Gemeindepädagogen, Geflüchtete, Streetworker, Theologinnen und Ärzteteams – sie alle zeigten, wie vielschichtig und bewegend das Wirken der Stadtmission ist. Da waren Mitarbeitende der medizinischen Ambulanz, die Menschen ohne Krankenversicherung versorgen. Nebenan berichteten die Teams des Kältebusses, wie sie in klirrend kalten Nächten Obdachlose mit Schlafsäcken und heißem Tee versorgen – oft der einzige menschliche Kontakt, den diese Menschen noch erleben.

Kinder tollten über die Wiese, spielten Riesenseifenblasen, ließen sich fantasievoll schminken und erklommen die Hüpfburg, während ihre Eltern bei einem Kaffee ins Gespräch mit freiwilligen Helferinnen kamen. Musikgruppen wie das Polizeiorchester mit seiner Heavy Brass Band füllten das Gelände mit kraftvollen, jazzigen Tönen. Orientalische Tänze der iranischen Gemeinde begeisterten das Publikum, ebenso wie das internationale Buffet: Ob persisches Fladenbrot, Curry, Berliner Bratwurst oder hausgemachter Blechkuchen – hier schmeckte man die Vielfalt der Stadtmission.

Ein besonderes Anliegen war es den Veranstalterinnen, auch die Geschichten hinter den Projekten sichtbar zu machen. Junge Menschen berichteten von ihrer Zeit im Sharehouse Refugio in Neukölln, wo Deutsche und Geflüchtete gemeinsam leben, lernen und gestalten. Andere erzählten von „Housing First“, einem Modell, das Obdachlosen festen Wohnraum und neue Perspektiven bietet – mit eigenem Mietvertrag, ohne Vorbedingungen. Wieder andere sprachen über ihre Erfahrungen in Gemeindeprojekten, in denen Glaube, Musik und Seelsorge neue Räume öffnen.

Es war ein Fest voller Nähe und Wertschätzung, aber auch eines mit klarer Haltung. Viele Besucher kamen nicht nur wegen des Programms, sondern auch, weil sie sich der Arbeit der Stadtmission verbunden fühlen – sei es als Ehrenamtliche, Spenderinnen, Gemeindemitglieder oder Gäste. Der offene Geist war überall spürbar: kein Hochglanz-Event, sondern ein geerdetes, echtes Miteinander. Der Satz einer Besucherin fasste die Stimmung treffend zusammen: „Hier geht es nicht um das perfekte Bild, sondern um gelebte Wärme.“

Wer verstehen will, warum dieses Sommerfest so besonders ist, muss auf die lange Geschichte der Berliner Stadtmission blicken. Im Jahr 1877 gründete Pfarrer Adolf Stoecker die Stadtmission mit dem Ziel, den Ärmsten in Berlin beizustehen – den Heimatlosen, den Vergessenen, den Neuangekommenen. Die Berliner Stadtmission war von Beginn an mehr als eine religiöse Einrichtung. Sie war eine soziale Bewegung, die Glaube mit tätiger Nächstenliebe verband. Und trotz aller Widersprüche in Stoeckers politischem Erbe, das die Stadtmission heute kritisch aufarbeitet, bleibt die Vision von praktizierter Barmherzigkeit ihr zentraler Antrieb.

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Über die Jahrzehnte hinweg wuchs die Stadtmission mit der Stadt. Während der Weimarer Republik engagierte sie sich für wandernde Arbeiterinnen und für Frauen in Not. Während der NS-Zeit wurde sie unter Druck gesetzt, viele ihrer Helfenden standen im Konflikt mit dem Regime. Nach dem Krieg, in der geteilten Stadt, baute sie neue Strukturen auf – sowohl in West- als auch in Ostberlin. Die berühmte City-Station in Wilmersdorf wurde zur festen Größe in der Obdachlosenhilfe. In den 1980er-Jahren kam der Kältebus dazu. Und heute ist sie Trägerin von Unterkünften, Hotels, Bildungsprojekten, Kirchengemeinden und innovativen Integrationsangeboten.

Doch so vielfältig die Angebote sind – sie alle eint ein gemeinsamer Geist: Menschen nicht zu verwalten, sondern ihnen auf Augenhöhe zu begegnen. Hoffnung dort zu geben, wo Resignation droht. Und christliche Nächstenliebe so zu leben, dass sie auch von Menschen ohne religiösen Hintergrund verstanden und angenommen wird.

Das Sommerfest 2025 war deshalb nicht nur ein buntes Ereignis, sondern Ausdruck dieser Haltung: Einer offenen, diakonischen Kirche mitten in Berlin. Einer Kirche, die sich nicht abgrenzt, sondern einlädt. Die zuhört, hilft, feiert, betet – und dabei immer das Gemeinsame sucht. In einer Stadt, die manchmal rau und unübersichtlich ist, war dieses Fest ein leuchtender Moment der Zugehörigkeit.

Bilder, Videos und Text: Klaus-Dieter Richter

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