Der Reisebus bleibt ein attraktiver Urlaubsbegleiter eine Reiseanalyse

Wenn ich mir die ersten ausgewählten Ergebnisse der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen e. V. zur Reiseanalyse 2026 anschaue, dann wird eines sehr deutlich: Die Reiselust der Deutschen ist ungebrochen. 76 Prozent der Befragten planen sicher, in diesem Jahr zu verreisen. Rund ein Drittel weiß noch nicht genau, wohin die Reise gehen soll. Bessere Voraussetzungen kann es für ein erfolgreiches Tourismusjahr 2026 kaum geben.

Und mittendrin behauptet sich ein Verkehrsmittel, das oft unterschätzt wird, aber seit Jahren verlässlich seine Rolle spielt: der Reisebus.

Stabiler Marktanteil und leichtes Wachstum

Busreisen zeigen weiterhin eine stabile Entwicklung mit einem leichten, aber bemerkenswerten Wachstum. Bei Urlaubsreisen ab fünf Tagen lag der Marktanteil des Reisebusses 2025 bei 4,9 Prozent, nach 4,8 Prozent im Jahr 2024. Das entspricht rund 3,32 Millionen Busurlaubsreisen gegenüber 3,28 Millionen im Vorjahr, also einem Plus von 40.000 Reisen.

Während es bei anderen Verkehrsmitteln teils deutliche Verschiebungen gibt, hält der Reisebus souverän seine Position. Er steht für Komfort, Sicherheit und eine im Vergleich sehr klimaschonende Form des Reisens. Gerade in Zeiten, in denen Nachhaltigkeit für viele Menschen eine immer größere Rolle spielt, ist das ein entscheidender Faktor.

Warum der Bus so gut ins Zeitbild passt

Die Reiseanalyse zeigt auch, was Urlauberinnen und Urlauber aktuell antreibt. Ganz oben stehen Entspannung mit 56 Prozent, sich verwöhnen lassen mit 55 Prozent und Natur erleben mit 52 Prozent. Genau hier passt die Busreise perfekt ins Zeitbild.

Der Urlaub beginnt im Grunde schon mit dem Einsteigen. Kein Umsteigestress, keine Parkplatzsuche am Flughafen, keine langen Sicherheitskontrollen. Man steigt ein, lehnt sich zurück und lässt sich fahren. Wer eine organisierte Busreise bucht, bekommt zudem Programm, Unterkunft und oft auch Verpflegung aus einer Hand. Das schafft Sicherheit und entlastet bei der Planung.

Auch Benedikt Esser, Präsident des RDA Internationaler Bustouristik Verband, bringt es auf den Punkt: Wenn die Reiselust hoch ist und viele ihr konkretes Ziel noch nicht festgelegt haben, kann die organisierte Busreise besonders punkten. Sie verbindet Komfort, nachhaltige Mobilität, Erlebnisse und Erholung.

Der Vorteil mit dem Bus: Entspannt, gemeinschaftlich und planbar

Für mich liegt der große Vorteil der Busreise vor allem in der Kombination aus Bequemlichkeit und Gemeinschaft. Man muss sich um nichts kümmern, wird oft direkt am Wohnort oder in der Region abgeholt und reist in einer festen Gruppe. Gerade für ältere Menschen oder Alleinreisende ist das ein wichtiger Aspekt. Kontakte entstehen schnell, man fühlt sich gut aufgehoben.

Hinzu kommt die hohe Planbarkeit. Keine versteckten Zusatzkosten für Gepäck, kein ständiges Nachbuchen. Der Preis ist klar kalkuliert. Und nicht zuletzt ist der Reisebus eines der sichersten Verkehrsmittel überhaupt.

Moderne Reisebusse: Komfort auf hohem Niveau

Wer heute noch das Bild eines engen, unbequemen Busses aus vergangenen Jahrzehnten im Kopf hat, sollte dringend umdenken. Moderne Reisebusse sind komfortable Hightech Fahrzeuge. Zur Ausstattung gehören heute in der Regel

  • ergonomische, verstellbare Komfortsitze mit viel Beinfreiheit
  • Klimaanlage und individuelle Lüftungsdüsen
  • Bordtoilette
  • Kühlschrank oder Bordküche
  • WLAN und USB-Steckdosen
  • moderne Entertainmentsysteme
  • großzügige Panoramafenster

Viele Fahrzeuge verfügen zudem über Assistenzsysteme, die die Sicherheit weiter erhöhen, etwa Spurhalteassistenten oder Notbremsassistenten. Das Reisen im Bus ist heute deutlich angenehmer, als es viele vermuten.

Der ökologische Aspekt: Klimaschonend unterwegs

Ein Punkt, der aus meiner Sicht noch stärker in den Fokus rücken sollte, ist die Umweltbilanz des Reisebusses. Pro Personenkilometer zählt der moderne Reisebus zu den klimafreundlichsten motorisierten Verkehrsmitteln überhaupt. Durch die hohe Auslastung verteilt sich der Energieverbrauch auf viele Reisende. Der CO₂ Ausstoß pro Kopf liegt dadurch deutlich unter dem des Pkw und je nach Auslastung und Strommix teilweise sogar unter dem von Inlandsflügen.

Hinzu kommt, dass Reisebusse in den vergangenen Jahren technisch enorm weiterentwickelt worden sind. Moderne Motoren erfüllen strengste Abgasnormen, der Kraftstoffverbrauch wurde deutlich gesenkt und alternative Antriebstechnologien sind in der Entwicklung. Wer also in einer Gruppe verreist, trifft mit dem Bus eine bewusste Entscheidung für vergleichsweise ressourcenschonende Mobilität.

Busreise oder Bahnreise? Ein Unterschied mit Wirkung

Oft wird der ökologische Vergleich mit der Bahn gezogen und tatsächlich ist auch das Bahnreisen eine sehr umweltfreundliche Alternative, insbesondere auf elektrifizierten Strecken mit einem hohen Anteil erneuerbarer Energien.

Der Unterschied liegt jedoch in der Praxis des Reisens. Während Bahnreisen häufig Umstiege, unterschiedliche Anbieter, Anschlussverbindungen und eine eigenständige Organisation von Transfer und Unterkunft erfordern, bietet die klassische Busreise ein durchgängiges Konzept. Der Bus bringt die Gäste direkt zum Zielort, oft sogar bis vor das Hotel, und übernimmt auch Ausflüge vor Ort.

Gerade bei Gruppen oder Rundreisen entsteht dadurch ein logistischer Vorteil. Es gibt keine Koffertransporte zwischen Bahnhöfen, keine zusätzlichen Transfers mit Taxi oder öffentlichem Nahverkehr. Alles bleibt in einer Hand. Zudem ist die Sitzplatzsituation im Reisebus in der Regel klar geregelt, ohne Reservierungsstress oder kurzfristige Zugausfälle.

Die Bahn punktet auf stark frequentierten Hauptachsen mit hoher Geschwindigkeit. Der Reisebus hingegen überzeugt durch Flexibilität, Direktverbindungen ab der Region und die Nähe zum eigentlichen Urlaubserlebnis. Beide Systeme haben ihre Berechtigung, doch für viele Urlaubsformen ist der Bus die rundere und unkompliziertere Lösung.

Wie viele Reisebusunternehmen gibt es?

Der Bustourismus ist in Deutschland ein bedeutender Wirtschaftsfaktor. Nach aktuellen Branchenschätzungen gibt es in Deutschland rund 3.000 bis 3.500 Reisebusunternehmen, meist mittelständisch geprägt und häufig familiengeführt. Viele dieser Betriebe sind seit Generationen am Markt tätig und fest in ihren Regionen verwurzelt.

In Europa ist die Zahl noch deutlich höher. Hier spricht man von mehr als 30.000 Busunternehmen, die im Gelegenheits und Reiseverkehr tätig sind. Der Markt ist stark mittelständisch strukturiert und bietet eine enorme Vielfalt von spezialisierten Kulturreiseanbietern bis hin zu großen europaweit agierenden Busflotten.

Ein Verkehrsmittel mit Zukunft

Die Reiseanalyse 2026 zeigt eindrucksvoll, dass der Reisebus seinen festen Platz im deutschen Urlaubsmarkt behauptet. Er wächst nicht explosionsartig, aber stabil und verlässlich. In einer Zeit, in der viele Menschen Wert auf Nachhaltigkeit, Sicherheit und Komfort legen, ist das kein Zufall.

Für mich steht fest: Der Reisebus bleibt auch 2026 ein attraktiver Urlaubsbegleiter, bodenständig, modern, ökologisch verantwortungsvoll und näher am Menschen, als es manch anderes Verkehrsmittel sein kann.

Hintergrund: Reiseanalyse 2026

Die Reiseanalyse wird seit über 50 Jahren jährlich erhoben und gilt als eine der detailliertesten Untersuchungen zur deutschen Urlaubsreisenachfrage. Grundlage sind bevölkerungsrepräsentative Befragungen, persönlich und online, mit insgesamt mehr als 12.000 Befragten pro Jahr. Bei den hier verwendeten Daten handelt es sich um erste ausgewählte Ergebnisse. Abweichungen zu späteren Endergebnissen sind möglich.

Quelle: Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen e. V. (FUR): Reiseanalyse 2026, erste ausgewählte Ergebnisse (Kiel, 2026).

Text: klaus-dieter Richter

Bilder: RDA, Stock Foto, Freepices

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