Die Schwarzmundgrundel

Neue Fischart in der Havel: Naturschützer, Fischer und Gastronomen in Sorge!

Bei einer Untersuchung des Fischbestands in der Havel machten Potsdamer Experten, im Auftrag der Stiftung Naturschutzfonds Brandenburg, eine besorgniserregende Entdeckung. Die Schwarzmundgrundel breitet sich in der Havel rasant aus. Diese südosteuropäische Fischart steht auf der Liste der 100 „schlimmsten“ gebietsfremden Arten Europas, deren Ausbreitung besonders beobachtet wird. Experten warnen vor einer Schwarzmundgrundel-Invasion, welche heimische Arten bedroht. Einmal etabliert, werden sie innerhalb weniger Jahre zur zahlenmäßig dominanten Fischart der befallenen Gewässer. Weitere Auswirkungen auf die Lebewesen im Gewässer müssten noch erforscht werden. Im Rahmen der Untersuchung wurden insgesamt eine Krebs- und 17 Fischarten, unter anderem Barsche, Plötzen, Aale, Hechte, Schleien sowie der beliebte Zander erfasst.

Naturschützer, Angler und Fischer befürchten, dass der Raubfisch andere Fische in der Havel verdrängt. Anders als heimische Fischarten vermehrt sich die Schwarzmeergrundel mehrmals im Jahr und laicht jeweils 300- 700 Eier. Sie gelten als Nahrungs- und Raumkonkurrent für heimische Arten und offensichtlich haben sie es auf den Kaviar anderer Fische abgesehen.

Ursprünglich stammt der etwa 15 bis 20 Zentimeter lange Raubfisch vom Schwarzen und Kaspischen Meer. Über das Ballastwasser in den Schiffen, gelangten sie als „blinder Passagier“ und dem Bau des Main-Donau-Kanals nach Mitteleuropa. Er besiedelt unter anderem den Main sowie Rhein, Mosel und seit einiger Zeit auch die Havel. Am Rhein werden jetzt schon, fast nur noch Grundeln aus dem Wasser geholt.

Er fresse auch andere Jungfische aber auch Flohkrebse oder im Wasser lebende Insektenlarven, etwa der Zuckmücken und Eintagsfliegen. Wasserschnecken und kleinere Muscheln, insbesondere die Wandermuschel gehören ebenfalls zu seinen Speisen.

Gegen die Ausbreitung der Grundel könne nicht viel getan werden, denn sie sind äußerst anpassungsfähig. Möglichkeit einer Eindämmung der explosionsartigen Ausbreitung, so meinen einige Experten, könnte beispielsweise die Beseitigung der Uferbefestigungen sein. Steinschüttungen stellen für die Schwarzmundgrundel den optimalen Lebensraum dar.

Für die Küchen in Restaurants und Hotels wird es in Zukunft zunehmend schwerer unter anderem den bei Gästen so beliebten Havel- Zander zu beschaffen. Fischer und Anglerverbände klagen über zu wenig Zander und anderen heimischen Fischen aus der Havel, in ihren Netzen oder an den Anglerhaken. Nicht nur die Grundel ist am Rückgang ihrer Fänge schuld, sondern das klare Wasser mit einer teilweisen Sichttiefe von bis zu 3 Metern. Zander benötigt trübes Gewässer, denn er jagt nach Bewegung und somit sehen andere Fische den Feind Zander schon von Weitem. Der stärker vermehrt auftretende Kormoran minimiert ebenfalls den Bestand von Fischarten in der Havel. Nicht nur die Schwarzmeergrundel ist somit am Bestandsrückgang schuld aber sie hat, laut Meinung von Experten, den größten Anteil daran.

Wenn die Grundel mehr als Nahrungsmittel akzeptiert werden würde, könnten andere gefährdete Speisefischarten dadurch geschont werden. Sie müsste besser vermarktet werden, um sie lukrativ abzufischen. Um der kulinarischen Unbekanntheit entgegenzuwirken, versuchen Fischer und Angler Schwarzmeergrundel- Kochrezepte aus Osteuropa zu verbreiten. Der Raubfisch eignet sich zum Räuchern, Braten, Frittieren aber kann auch süß sauer eingelegt.

Dieser zugewanderte Fisch könnte für die Berlin- Brandenburger Küchen eine willkommene Bereicherung auf den Speisekarten sein. Regionale Köche haben schon oft ihre Kreativität bewiesen und sollten vielleicht den Gästen auch mal eine andere Fischart aus der Havel in schmackhafter Zubereitung servieren. Die Fischer wären ihnen dankbar und für die Gäste, wäre es eine kulinarische Bereicherung. Es wäre auch ein aktiver Beitrag zum Umweltschutz und zur Erhaltung des einheimischen Fischbestands in der Havel.